28.04.: Tag der Befreiung Neuköllns – Vortrag „Kritik der regressiven Erinnerungskritik“

28. April: Tag der Befreiung Neuköllns 
Vortrag:“Kritik der regressiven Erinnerungskritik“- mit Nikolas Lelle
19:00 Uhr | Kleinod, Niemetzstraße 24 (Berlin-Neukölln)


Am 28. April 1945 konnte die letzte Gegenwehr von deutschen Verbänden in Neukölln gebrochen werden. Der Sieg der Alliierten bedeutete das Ende der nationalsozialistischen Herrschaft in Neukölln und die Befreiung für Zwangsarbeiter_innen sowie Jüdinnen_Juden. Viele der Zwangsarbeiter_innen und die absolute Mehrzahl der Neuköllner Jüdinnen_Juden erlebten die Befreiung jedoch nicht mehr.

Wir nehmen den Jahrestag erneut zum Anlass, um an die Befreiung Neuköllns durch die Rote Armee, aber auch an die Kontinuitäten von Antisemitismus und Rassismus im bundesdeutschen Alltag zu erinnern.
 

Genau dieses Erinnern steht aktuell massiv unter Druck: Die so genannte Mitte der Gesellschaft nimmt vielerorts durch Ritualisierung der Erinnerung systematisch ihr kritisches Potenzial und funktionalisiert das Gedenken an die deutschen Verbrechen als moralischen Standortvorteil. Gleichzeitig lässt der voranschreitende Rechtsruck Neonazis und Salonfaschist_innen mit neuen Selbstbewusstsein zum offenen Angriff auf Gedenkstätten blasen. Die Zahl der gemeldeten rechtsextremen Vorfälle befindet sich auf einem Höchststand, während die AfD nach der institutionellen Macht greift, um dem „Schuldkult“ endlich den Geldhahn abdrehen zu können. Besonders bitter ist es, dass  nach dem 7.Oktober 2023 ein Teil der Linken sich hier einreiht, der Antisemitismus nur als Vorwurf von rechts kennt und sich seine Credit Points und internationalen Bewegungsmeriten ausgerechnet über die Relativierung der historischen Präzedenzlosigkeit der Shoah sichern will.

Der Vortrag berichtet von  Angriffen auf Gedenkorte, kritisiert verschiedene Varianten regressiver Erinnerungskritik, erinnert an die Notwendigkeit  Erinnerungslücken zu schließen und fragt, wie ein progressives Erinnern verteidigt und weitergedacht werden kann.

Nikolas Lelle arbeitet seit 2020 bei der Amadeu Antonio Stiftung und beschäftigt sich vornehmlich mit Antisemitismuskritik, Erinnerungskultur und Gesellschaftstheorie. Er hat in Frankfurt am Main und Mainz Philosophie und Soziologie studiert und an der HU Berlin promoviert. Kürzlich erschien sein neustes Buch: “Antisemitismus definieren. Anleitung zur Abgrenzung” mit Tom Uhlig. Im Herbst folgt der Band „Warum man Israel nicht hassen muss, um zu den Guten zu gehören” mit Lisa Geffken.

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