08.05.: 8. Mai – Tag der Befreiung

Anlässlich der Debatte um einen zusätzlichen gesetzlichen Feiertag, spricht sich die Berliner VVN-B.d.A für die Wahl des morgigen 8. Mai als Jahrestag der Befreiung vom Faschismus aus.
Als zentrale Kundgebung zum 73. Jahrestag findet morgen eine Veranstaltung mit Reden und Musik am Ehrenmal im Treptower Park statt:
08. Mai | 18.00 Uhr | Ehrenmal Treptow vor der Skulptur „Mutter Heimat“ (S-Treptower Park, Berlin Treptow-Köpenick)

„Am 8. Mai 1945 war nahezu ganz Europa von Faschismus und Krieg befreit. In Deutschland empfanden vor allem die Überlebenden des Holocaust, der Konzentrationslager und Zuchthäuser und ihre Angehörigen, die befreiten Zwangsarbeiter*­innen den 8. Mai als den lang ersehnten Tag der Befreiung. Aber auch wir alle, die wir heute leben, verdanken die Chance eines Lebens in Frieden, Freiheit und Vielfalt den alliierten Streitkräften. Die Rote Armee und die sowjetische Bevölkerung hatten die größte Last des Krieges zu tragen. Mit besonderer Dankbarkeit erinnern wir an die Befreierinnen und Befreier, die Soldatinnen und Soldaten der Roten Armee, die gemeinsam mit polnischen Kombattantinnen und Kombattanten Berlin befreiten. Unvergessen bleibt der Beitrag, den der deutsche antifaschistische Widerstand in Deutschland, in der Emigration, in Partisanenverbänden und in den Streitkräften der Antihitlerkoalition geleistet hat.

Mehr als 55 Millionen Menschen fielen Naziterror, Holocaust und Vernichtungskrieg zum Opfer. Sie bezahlten den deutschen Griff nach der Weltherrschaft mit unvorstellbarem Leid und ihrem Leben. Für die Befreiung Berlins gaben noch über 50.000 Rotarmisten ihr Leben. Bis zur bedingungslosen Kapitulation der Berliner Garnison am 2. Mai erschossen Wehrmacht, Gestapo und SS politische Häftlinge, Deserteure und „Verräter“ im Berliner Stadtgebiet. Zuvor waren Zehntausende Insassen der Konzentrationslager Sachsenhausen und Ravensbrück und ihrer Außenlager auf Todesmärsche geschickt worden.

In nahezu allen von Nazideutschland besetzten Ländern wurden der 8. und/oder 9. Mai gesetzliche Feiertage, dies war auch in der DDR der Fall. 40 Jahre hat es gedauert, bis ein Präsident der Bundesrepublik den 8. Mai als Tag der Befreiung anerkannt und gewürdigt hat. Bis dahin hatte die Sicht der Nazis, der Profiteure, Mitläufer und Zuschauer das offizielle Vokabular geprägt: Zusammenbruch, Kapitulation, Niederlage, Besatzung, Stunde Null, Neubeginn.

Mit Weizsäckers Rede 1985 wurde die Perspektive der Verfolgten des Naziregimes „gesellschaftsfähig“. Ein Tag der Erinnerung und Mahnung oder gar der Freude wurde der 8. Mai jedoch in der Bundesrepublik bislang nicht. Das wollen wir ändern!

Wir fordern, dass der 8. Mai als Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg endlich auch in Berlin und in ganz Deutschland ein offizieller Feiertag wird, den Tag, den der als Jude und Kommunist verfolgte Kämpfer der Résistance Peter Gingold 1945 in Mailand als „Morgenröte der Menschheit“ erlebt und bezeichnet hat.“

Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e. V. [Berliner VVN-BdA e.V.], Mai 2018

8. Mai 1945 – Tag der Befreiung!

28.04.: Führung: Das rote Neukölln – Widerstand und Verfolgung 1933-1945

Im Rahmen des 73. Jahrestag der Befreiung Neuköllns durch die Rote Armee am 28. April laden wir auch in diesem Jahr wieder zu einer Veranstaltung ein:

Stadtteil-Führung: „Das rote Neukölln – Widerstand und Verfolgung 1933-1945“

Obwohl die meisten Neuköllner_innen ebenfalls Teil der NS-Gesellschaft waren, gab es in dem Bezirk einen besonders lebendigen antifaschistischen Widerstand, der maßgeblich von Frauen* bestimmt wurde. Wehrkraftzersetzung, Arbeitsvertragsbruch, Hilfe für Verfolgte sind nur einige Beispiele, über die bei der Führung berichtet werden soll. Weiterhin wird es um die lokalen Besonderheiten, ihre Motive, Netzwerke und die Verfolgung gehen. Aus heutiger Sicht ist es dabei besonders interessant, der Frage nachzugehen, was Menschen bewegt, sich nicht anzupassen, sondern sich widerständig zu verhalten. Welche Orte erinnern noch heute in der Gegend, die schon in den Zwanzigern immer wieder Schauplatz blutiger Straßenkämpfe zwischen Nationalsozialisten und Kommunist_innen gewesen war, an die Geschichte und ihre Akteur_innen? Antworten darauf werden am Beispiel von vergessenen und unbekannten Widerstandsgeschichten gesucht.

Wir freuen uns auf eine etwa zweistündige Tour mit der Historikerin Claudia von Gélieu, aktiv bei den Frauentouren, der VVN-BdA und in der Galerie Olga Benario.

28. April 2018 | 15.00 Uhr | Startpunkt: Galerie Olga Benario (Richardstraße 104, Berlin-Neukölln)

Am 24. April 1945 überschritten die ersten Einheiten der Roten Armee die Südgrenze Neuköllns. In den folgenden Tagen gelang es den sowjetischen Truppen gegen den erbitterten deutschen Widerstand vorzurücken. Die letzte Gegenwehr von deutschen Verbänden in Neukölln konnte am 28. April 1945 gebrochen werden. Die Rote Armee hatte Neukölln befreit. Der Sieg der Alliierten bedeutete das Ende der nationalsozialistischen Herrschaft in Neukölln und die Befreiung für Zwangsarbeiter_innen und Jüdinnen_Juden. Viele der Zwangsarbeiter_innen sowie die absolute Mehrzahl der Neuköllner Jüdinnen_Juden erlebten die Befreiung jedoch nicht mehr. Nur wenigen war es vorher gelungen, unterzutauchen und zu überleben. Schließlich bedeutete der Sieg der Roten Armee auch die Befreiung für die Widerstandskämpfer_innen der verschiedenen sozialdemokratischen, kommunistischen und liberalen Gruppen.

Den 28. April nehmen wir zum Anlass, um an die Befreiung Neuköllns durch die Rote Armee zu erinnern und dabei nicht zu vergessen, dass Antisemitismus, Rassismus und Neonazismus Teil des bundesdeutschen Alltags sind.
Unser Dank gilt den alliierten Armeen, den Partisan_innen und allen anderen Menschen, die unter Einsatz ihres Lebens für die Zerschlagung Deutschlands kämpften. Der Sieg über die Deutschen bedeutete nicht weniger als die Befreiung der Menschen vom Nationalsozialismus.

Unser Dank heißt Krieg den deutschen Zuständen! – //befreiungneukoelln.blogsport.de

12.04.: Filmvorführung „Verleugnung“ (USA/GB 2016) & Diskussion zur Aktualität von Shoah-Leugnung

Filmvorführung & Diskussion: „Verleugnung“ (USA/GB 2016) & Diskussion zur Aktualität von Shoah-Leugnung

Vor 73 Jahren, am 28. April 1945, wurde die Gegenwehr der letzten deutschen Verbände in Neukölln gebrochen. Der Sieg der Roten Armee bedeutete das Ende der nationalsozialistischen Herrschaft. Er bedeutete die Befreiung für die überlebenden Zwangsarbeiter*innen und Jüdinnen*Juden. Für alte und neue Nazis bedeutete er die totale Niederlage. War ein positiver Bezug auf den Nationalsozialismus danach nicht mehr ohne Weiteres möglich, enstanden rasch Bestrebung den Massenmord an den europäischen Jüdinnen_Juden zu relativieren und zu leugnen. Bis heute existiert eine überschaubare, aber eng vernetzte Szene von Shoahleugner_innen. Eine ihrer notorischesten Vertreterinnen, Ursula Haverbeck-Wetzel, wurde erst vor wenigen Tagen zur Spitzenkandidatin der Neonazi-Partei „Die Rechte“ bei den anstehenden Europa-Wahlen gekührt.

Wir zeigen euch diesmal im Rahmen des Antifa-Tresens den Film „Verleugnung“ (Originaltitel: „Denial“, USA/GB 2016). Er beruht auf einer wahren Gegebenheit und erzählt in 111 Minuten den Kampf der US-Amerikanischen Geschichtsprofessorin Deborah Lipstadt um die historische Wahrheit. Im Jahr 1996 wird sie von dem britischen Autoren David Irving verklagt, weil dieser sich von der Bezeichnung als Shoahleugner in ihrem jüngsten Buch verleumdet fühlt. Gemäß den Regeln des britischen Rechts muss sie und ihr Anwält_innenteam sich in dem vier Jahre andauernden Prozess nicht nur selbst verteidigen, sondern findet sich in der absurden Situation wieder, beweisen zu müssen, dass die Shoah tatsächlich stattgefunden hat.

Was treibt Shoahleugner_innen bis heute an? Welche Rolle spielt die Leugnung der Shoah noch für aktuelle Nazis? Über diese und andere Fragen kann im Anschluss diskutiert werden. Natürlich ist auch für kühle Drinks und Snacks gesorgt. Wir freuen uns auf euch!

* Der Projektraum befindet sich im 2. Hinterhaus im 1. Stock, unten bei „Projektraum“ klingeln.

08.04.: Burak unvergessen

Heute vor sechs Jahren, am 5. April 2012 wurde Burak Bektaş im Kreise seiner Freunde auf offener Straße im Süden Neuköllns ermordet. Unabhängig von der tatsächlichen Motivation des unbekannten Täters, wird dieser Mordanschlag auf eine Gruppe von Jugendlichen zu einem Symbol: Wenige Monate nach dem Bekanntwerden des NSU sind die Parallelen mehr als offensichtlich. Unabhängig davon ob der Mörder ein organisierter Neonazi war, ein normaler Rassist oder auch jener „verrückte Einzeltäter“ der die Polizei in „alle Richtungen“ ermitteln lässt, schafft der Mordanschlag eine breite Verunsicherung auf den Straßen – vor allem unter Jugendlichen. Denn der Täter läuft noch immer frei herum. Und von Seiten der Polizei und der Behörden gibt es keinerlei Informationen Es zeigt wieder einmal, dass auf staatliche und polizeiliche Ermittlungen kein Verlass ist, besonders nicht, wenn es darum geht, gegen Neonazis und rassistische Gewalt vorzugehen. Wenn die Leiterin der Rechtsextremismus-Abteilung des LKA wie jüngst behauptet, die Berliner Polizei hätte ihre Lehren aus dem NSU gezogen, dann ist das blanker Hohn. Denn der Mord an Burak ist bis heute unaufgeklärt. Er wurde bisher ebenso wenig als rechter Mord eingestuft wie der Mord an Luke Holland. Zusammenhänge zwischen den beiden Fällen werden systematisch ausgeblendet.

Die Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak lädt für Sonntag den 8. April zu einer Demonstration 6. Jahrestag: Burak Bektaş unvergessen – Aufklären und Gedenken! zum Gedenkort ein. Dort wird im Anschluss die zwei Meter hohe Skulptur aus Bronze in unmittelbarer Nähe des Tatorts eingeweiht. Sie soll die Kritik am Versagen der Ermittlungsbehörden im öffentlichen Raum zementieren.

Für eine konsequente Aufklärung!

8. April | 14.00 Uhr | 6. Jahrestag: Burak Bektaş unvergessen – Aufklären und Gedenken! | U-Britz Süd (Berlin-Neukölln)

ab 15.00 Uhr | Einweihung der Skulptur auf dem Gedenkort | Rudower Str./Möwenweg

23.03.: Kein Raum der AfD! Gegen die Veranstaltung im Gemeinschaftshaus Gropiusstadt

Diesen Freitag ab 18.30 Uhr lädt die Neuköllner AfD zu einem Vortrag unter dem Motto „Sind unsere Schulen noch zu retten?“ in das Gemeinschaftshaus Gropiusstadt ein. Statt einer ernsthaften bildungspolitischen Auseinandersetzung wird aber bereits in der Ankündigung eine „steigende Kriminalität durch Flüchtlingskinder“ beschworen und mit u.a. Franz Kerker ein Referent angekündigt, der in pädagogischen Handreichungen für Kita-Erzieher_innen einen „fragwürdigen Trend zur Hypersexualisierung“ sieht und um die Zukunft heteronormativen Kleinfamilie fürchtet.

Gegen derartige reaktionäre und rassistische Diskussionen ist bereits ab 18 Uhr eine Protestkundgebung vor dem Gemeinschaftshaus (Bat-Yam-Platz 1 | U-Lipschitzallee) angemeldet.

Freitag 23. März | 18.00 Uhr | Proteste gegen die Abendveranstaltung der AfD | Bat-Yam-Platz 1, (U-Lipschitzallee)

Darüber hinaus bietet der Abend sicherlich noch viel Platz für viele weitere kreative Aktionen. Kein Raum der AfD!

Ebenfalls nicht in Vergessenheit geraten sollte die Demonstration gegen rechte Räume im benachbarten Schöneweide und Johannisthal am darauf folgenden Tag:
Samstag 24. März | 14.00 Uhr | Demo gegen rechte Hetze: Weg mit dem AfD-Büro in Johannisthal! | S-Bahnhof Berlin-Schöneweide / Sterndamm