Kiez gegen Nazis
Freitag, den 12. November 2010 um 14:46 Uhr
2. Antifaschistischer Aktionstag in Neukölln lädt zu zahlreichen Veranstaltungen
Für diesen Samstag ruft das antifaschistische Bündnis »Neukölln gegen Nazis« zum zweiten »Langen Tag gegen Nazis« auf. In 15 Lokalitäten werden 23 unterschiedliche Veranstaltungen ausgerichtet. Buchvorstellungen, Podiumsdiskussionen und Workshops – das Angebot ist so breit und vielfältig wie die in dem Bündnis organisierten Gruppen. Dass sich in diesem Jahr noch mehr Initiativen, Kulturbetriebe und AntifaschistInnen beteiligen, ist aber auch der anhaltenden Welle neonazistischer Übergriffe in Neukölln und Kreuzberg geschuldet.
Das Bündnis »Neukölln gegen Nazis« gründete sich im Dezember letzten Jahres, um den neonazistischen Aktivitäten im Kiez entgegenzutreten und den Betroffenen Unterstützung zu signalisieren. In den Monaten vor der Gründung kam es immer wieder zu Angriffen auf linke Läden, Kneipen und Wohnungen. Als erste Reaktion gegen die sich häufende neonazistische Gewalt organisierte das Bündnis am 20. Dezember 2009 eine Demonstration, an der über 1000 Menschen teilnahmen. Genau drei Monate später wurde zum ersten »Langen Tag gegen Nazis« eingeladen. »Wir konnten ein deutliches Zeichen der Solidarität für die Betroffenen setzen«, so Frieder Böhne vom Bündnis. Die Veranstaltungen waren komplett überfüllt, auch die Spendenbereitschaft aus der Nachbarschaft zur Unterstützung der angegriffenen Projekte übertraf die Erwartungen der AktivistInnen. Die materiellen Schäden, »die teilweise existenzbedrohend waren«, wie Böhne berichtet, »konnten mit den gesammelten Geldern ausgeglichen werden. Manche Projekte mit großen Schaufensterscheiben mussten mit Jalousien versehen werden«.
Dass die Neonaziszene in Berlin nicht ungestört öffentlich agieren kann, hindert sie indes nicht daran, mit nächtlichen Aktionen auf sich aufmerksam zu machen. Die Bedrohungen, Angriffe und Schmierereien durch Neonazis setzten sich über das Jahr hinweg fort. Wie berichtet, kam es in der Nacht vom 26. auf den 27. Oktober neben einem Brandanschlag auf den Infoladen »M 99« zu weiteren neonazistischen Schmierereien und Morddrohungen in Kreuzberg und Neukölln.
»Die Bedrohung ist permanent«, empfindet auch Frieder Böhne und genau deshalb will das Bündnis die begonnenen Aktivitäten verstärkt fortsetzen. »Auch in Zukunft wird durch Aufklärungsarbeit auf die Naziproblematik in Berlin und anderswo hingewiesen.« Wie notwendig dies ist, zeigte sich schon kurz nach der nächtlichen Angriffswelle. Am 29. Oktober waren Berliner Neonazis wieder im Stadtteil unterwegs. Es sollte des vor einem Jahr verstorbenen Hamburger NPD-Funktionärs Jürgen Rieger gedacht werden. Nur ein Wochenende später tauchten abermals Neonazis an Bahnhöfen in Neukölln auf, um in Flugblättern ihre Gesinnung zum Ausdruck zu bringen. Dass sie nur unangemeldet und kurzzeitig auftreten können, ist auch den Aktivitäten von »Neukölln gegen Nazis« zu verdanken. »Wir konnten das solidarische Miteinander im Kiez enorm stärken und das Programm weit ausladender füllen als beim ersten Langen Tag gegen Nazis«, sagt Böhne. Das Bündnis will die Neuköllnerinnen und Neuköllner weiter auf die Naziproblematik im Kiez und anderswo sensibilisieren und zeigen, »dass auch weiterhin in Neukölln kein Platz für Nazis ist«, bekräftigt Frieder Böhne.
Das gesamte Programm gibt es unter: www.neukölln-gegen-nazis.de
Neues Deutschland, 12.11.2010


